Orales Mikrobiom: Wie Bakterien im Mund der Gesundheit helfen

Bakterien, Viren und Pilze bekommen vor allem dann menschliche Aufmerksamkeit, wenn sie zur Gefahr werden. Doch viele sind Teil von uns und arbeiten sozusagen als Fachkräfte in unseren Organen. Je nach Arbeitsplatz bilden sie eigene Arbeitsgemeinschaften, Mikrobiome. Ein bekanntes Beispiel ist das Darmmikrobiom. Hier helfen Millionen Bakterien und Pilze z.B. beim Verstoffwechseln von Nahrung oder unterstützen das Immunsystem. Was viele nicht wissen: Ein eingespieltes Team von Mikroorganismen lebt auch im menschlichen Mund.

Die Zusammensetzung der Keime entscheidet mit über die Mundgesundheit, beschreibt Zahnarzt Dr. Marcus Nowak aus Berlin-Charlottenburg. "Ein Mikrobiom ist inzwischen so wichtig für uns, dass man von einem Organ spricht. Das hat die gleiche Wertigkeit. Wenn wir von einem gesunden Mikrobiom sprechen, also einem ausgeglichenen Mikrobiom, dann gehen wir von einer hohen Keimanzahl aus in einem ausgewogenen Verhältnis. Im Mund sind es ungefähr 400 Keime und es gibt keine dominanten Keime."

Kippt die Balance aus Mikroorganismen, verursacht oder verstärkt das Erkrankungen, wie Studien zeigen konnten. Einen direkten Zusammenhang gibt es z.B. mit Karies oder Parodontitis die aufflammen, wenn sich eine Gruppe von Mikroorganismen stark vermehrt und andere verdrängt. Dabei gilt: Selbst nützliche Keime können in zu großer Masse schädliche Reaktionen bewirken.

Auslöser für eine Disbalance der Mundflora gibt es viele: eine Grunderkrankung wie Krebs, Stress, Vitaminmangel oder schlechte Ernährung mit viel Zucker und Kohlenhydraten, denn das triggert Entzündungen. Basis für ein gutes Mikroklima im Mund sind Zahnpflege und Zahnschutz. "Dazu kommt es auf die richtige Zahnpasta an", sagt Professor Dr. Falk Schwendicke vom Charité-Institut für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde in Berlin-Wilmersdorf. "Bei der Zahnpasta ist es wichtig, dass es eine fluoridhaltige Zahnpasta ist. Das diskutieren und sehen wir ja immer mehr. Es gibt alternative Produkte, die vorgeben, fluoridfrei zu sein. Manchmal suggerieren sie, sie hätten ähnliche Substanzen, die aber nicht Fluorid heißen und deshalb viel besser sind. Wenn wir uns die Daten dazu angucken, dann ist für die Kariesprävention das Fluorid einfach nötig. Wenn wir das weglassen, dann sind 50-60-70% des kariespräventiven Effektes weg."

Einige Studien gehen übrigens davon aus, dass das Mundmikrobiom deutlich öfter der Grund für Schmerzen im Mund ist als vererbte, schlechte oder weiche Zähne. Das bedeutet: Auch Menschen, die sehr oft Probleme im Mundraum haben, könnte eine gezielte Beeinflussung der Mikrobiomzusammensetzung helfen, sagt Marcus Nowak. "Dieses stabile Mikrobiom, das die Mundgesundheit fördert, kann man erlangen, indem man z.B. mit Probiotika arbeitet. Das sind lebende Keime. Und dann gibt es die Möglichkeit, dass es inzwischen Zahnpasten gibt, wo man mit Prä- und Postbiotika arbeitet." Präbiotika sind Nährstoffe für wichtige, erwünschte Keime. Postbiotika sind chemische Botenstoffe, mit denen sich z.B. Bakterienstämme steuern oder hemmen lassen. Schon jetzt kann man damit einiges tun, um Krankheiten zu bekämpfen und eine Mundflora zu fördern, die aktiv schützt.

Quelle: https://www.ardaudiothek.de/episode/rbb-praxis/orales-mikrobiom-wie-bakterien-im-mund-der-gesundheit-helfen/rbb24-inforadio/94780582/

15.09.2023

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